← Zurück zum Wiki
Architektur Komponenten Konzepte ESXi-CLI Lizenzen Best Practices

Architektur

Das Zusammenspiel von ESXi, vCenter und Cluster.

ESXi, der Hypervisor

VMware ESXi ist ein Typ-1-Hypervisor (Bare-Metal), der direkt auf der Server-Hardware läuft. Jeder physische Server mit ESXi ist ein Host und stellt CPU, RAM, Storage und Netzwerk für die darauf laufenden VMs bereit. ESXi hat einen eigenen kleinen Kernel (VMkernel) und wird über die Host-Client-Weboberfläche oder die CLI verwaltet.

vCenter Server, die zentrale Verwaltung

vCenter Server verwaltet mehrere ESXi-Hosts zentral. Erst mit vCenter werden die „großen" Funktionen wie vMotion, DRS und HA nutzbar. Ausgeliefert wird es als vorkonfigurierte Linux-Appliance (vCSA, vCenter Server Appliance); die frühere Windows-Installation gibt es nicht mehr. Bedient wird alles über den vSphere Client (HTML5) im Browser.

Cluster, Hosts als Verbund

Ein Cluster fasst mehrere ESXi-Hosts unter vCenter zu einer logischen Einheit zusammen und teilt sich gemeinsamen Storage. Auf Cluster-Ebene werden HA (Ausfallsicherheit) und DRS (Lastverteilung) aktiviert, VMs können frei zwischen den Hosts des Clusters wandern.

Komponenten-Überblick

Die wichtigsten Bausteine der vSphere-Suite.

KomponenteFunktionEbene
ESXiTyp-1-Hypervisor auf dem physischen HostHost
vCenter ServerZentrale Verwaltung mehrerer Hosts & ClusterManagement
vMotionLive-Migration laufender VMs zwischen Hosts, ohne AusfallCluster
DRSDistributed Resource Scheduler: verteilt VMs automatisch nach LastCluster
HAHigh Availability: startet VMs bei Host-Ausfall auf anderen Hosts neuCluster
vSANSoftware-definierter Storage aus den lokalen Datenträgern der HostsStorage
💡
HA vs. vMotion: vMotion ist eine geplante, unterbrechungsfreie Verschiebung laufender VMs. HA ist die Reaktion auf einen ungeplanten Host-Ausfall, die betroffenen VMs werden auf verbleibenden Hosts neu gestartet (kurze Unterbrechung).

Wichtige Konzepte

Begriffe, die man im vSphere-Alltag kennen muss.

Datastores

Ein Datastore ist ein logischer Speicherbehälter für VM-Dateien (.vmdk, .vmx, Snapshots). Er liegt auf Block-Storage über VMFS (lokal, iSCSI, Fibre Channel), auf NFS oder auf vSAN. Für Cluster-Funktionen wie vMotion und HA muss der Datastore von allen beteiligten Hosts gemeinsam erreichbar sein.

Portgruppen & vSwitch

Das virtuelle Netzwerk basiert auf einem vSwitch, entweder pro Host als Standard-vSwitch (vSS) oder als über vCenter zentral verwalteter Distributed Switch (vDS). Portgruppen gliedern den Switch logisch (z. B. je VLAN oder Verkehrsart); VMs werden einer Portgruppe zugewiesen, Dienste wie vMotion oder Management laufen über eigene VMkernel-Portgruppen.

Snapshots vs. Backup

Ein Snapshot friert den VM-Zustand zu einem Zeitpunkt ein; neue Schreibvorgänge landen in einer Delta-Datei. Das ist praktisch für kurze Rollbacks, aber kein Backup: Der Snapshot liegt auf demselben Datastore und geht mit ihm verloren. Lange bestehende oder verkettete Snapshots blähen sich auf und bremsen die VM.

⚠️
Snapshot-Warnung: Snapshots sind kein Backup und nicht für den Dauerbetrieb gedacht. VMware empfiehlt, sie maximal 24–72 Stunden zu behalten und die Kette flach (wenige Snapshots) zu halten. Wachsende Delta-Dateien können im Extremfall den Datastore füllen und die VM zum Stillstand bringen, echte Sicherungen gehören in eine Backup-Lösung (z. B. Veeam über VADP).

ESXi-CLI-Kurzreferenz

Direkt auf dem Host per SSH (SSH-Dienst muss aktiviert sein).

VMs auflisten & steuern

Registrierte VMs mit ihrer World-ID (vmid) anzeigen und den Power-Status verwalten.

# Alle registrierten VMs mit vmid auflisten vim-cmd vmsvc/getallvms # Power-Status einer VM abfragen vim-cmd vmsvc/power.getstate <vmid> # VM starten / sauber herunterfahren vim-cmd vmsvc/power.on <vmid> vim-cmd vmsvc/power.shutdown <vmid>

Netzwerk & Datastores

# VMkernel-Netzwerkkarten und IPs anzeigen esxcli network ip interface ipv4 get # Physische Uplinks (vmnics) und Link-Status esxcli network nic list # Eingebundene Datastores auflisten esxcli storage filesystem list

System, Logs & Wartung

# ESXi-Version und Build anzeigen esxcli system version get # Live in das zentrale Host-Log schauen tail -f /var/log/vmkernel.log # Host in den Wartungsmodus versetzen esxcli system maintenanceMode set --enable true

Lizenz-Editionen

Seit der Broadcom-Übernahme wird vSphere im Abo (Subscription) und paketiert vertrieben.

VMware vSphere Standard: Einstiegspaket mit den Kernfunktionen inklusive vMotion und HA, für kleinere Umgebungen.

VMware vSphere Foundation (VVF): Umfassenderes Paket mit vCenter, DRS und weiteren Enterprise-Funktionen für einzelne Standorte.

VMware Cloud Foundation (VCF): Das Voll-Stack-Paket inkl. vSAN, NSX und Aria für private Cloud / große Umgebungen.

Lizenziert wird pro physischem CPU-Kern (mit definiertem Mindestumfang je CPU) im Abomodell. Die früheren Perpetual-Editionen (Standard / Enterprise Plus als Dauerlizenz) werden nicht mehr neu verkauft.

Best Practices

Bewährtes aus dem produktiven vSphere-Betrieb.

Snapshots nicht als Backup

Snapshots dienen nur dem kurzfristigen Rollback (z. B. vor einem Patch) und werden danach zeitnah wieder entfernt (Delete/Consolidate). Für die Datensicherung eine Lösung nutzen, die über die VADP-Schnittstelle mit Change Block Tracking arbeitet, der dabei automatisch erzeugte Snapshot wird sofort wieder aufgelöst.

vMotion-Netz trennen

vMotion überträgt den Arbeitsspeicher der VM über das Netzwerk und kann eine Leitung schnell sättigen. Deshalb ein eigenes VMkernel-Netz (dediziertes VLAN, möglichst 10 GbE) für vMotion einrichten und vom Management- und VM-Verkehr trennen. Das hält Migrationen schnell und stört den Produktivverkehr nicht.

Weitere Empfehlungen

  • Redundante Uplinks pro vSwitch/Portgruppe für Netzwerk-Ausfallsicherheit
  • ESXi-Hosts baugleich halten (CPU-Familie), erleichtert vMotion; EVC-Modus am Cluster aktivieren
  • VMware Tools in den Gästen aktuell halten (Treiber, sauberes Shutdown, Zeitsync)
  • Management-Zugriff und SSH auf dem Host nur bei Bedarf aktivieren