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Was ist Hyper-V Installation Virtuelle Switches VMs verwalten Generation 1 vs. 2 Best Practices

Was ist Hyper-V

Der in Windows integrierte Virtualisierer, Grundlagen und Editionen.

Typ-1-Hypervisor

Hyper-V ist ein Typ-1-Hypervisor (Bare-Metal): Er läuft direkt auf der Hardware, nicht als Anwendung innerhalb eines Betriebssystems. Sobald die Hyper-V-Rolle aktiviert wird, wird das ursprüngliche Windows selbst zu einer privilegierten VM, der sogenannten Root- bzw. Parent-Partition, die ab dann ebenfalls auf dem Hypervisor läuft und Geräte-Treiber sowie Management bereitstellt. Alle Gast-VMs laufen in eigenen Child-Partitionen ohne direkten Hardware-Zugriff.

Rolle vs. Windows-Feature

Technisch ist es derselbe Hypervisor, nur unterschiedlich verpackt:

Server-Rolle (Windows Server): Vollständige Verwaltung über den Hyper-V-Manager, PowerShell und Failover-Cluster, die Basis für produktive Virtualisierung.

Optionales Feature (Windows 10/11 Pro, Enterprise, Education): Für Test-, Labor- und Entwicklungsumgebungen. In Windows Home ist Hyper-V nicht enthalten.

Editionen & Lizenzierung

Windows Server Standard: berechtigt zu 2 virtuellen OSE (Gast-Windows-Server) pro Lizenzpaar. Datacenter: unbegrenzt viele Windows-Server-VMs auf demselben Host.

Hyper-V Server (kostenlose Standalone-Variante) wurde eingestellt, die letzte Version war Hyper-V Server 2019; für Server 2022/2025 gibt es keine Standalone-Ausgabe mehr. Alternativ dient die kostenlose Server-Core-Installation als schlanker Host.

Der Hypervisor selbst ist kostenlos, lizenziert werden die Gast-Windows-Betriebssysteme, nicht Hyper-V.

Installation

Voraussetzungen prüfen und die Rolle aktivieren.

Hardware-Voraussetzungen

  • 64-Bit-CPU mit Hardware-Virtualisierung (Intel VT-x bzw. AMD-V), im BIOS/UEFI aktiviert
  • SLAT (Second Level Address Translation: Intel EPT / AMD RVI), zwingend erforderlich
  • Hardware-DEP (Data Execution Prevention: Intel XD / AMD NX) aktiviert
  • Genug RAM für Host + alle geplanten VMs

Schnellprüfung im laufenden System über systeminfo, am Ende unter „Hyper-V-Anforderungen" müssen alle vier Punkte mit „Ja" gelistet sein.

Rolle installieren (Windows Server)

Installiert die Rolle samt Management-Tools und startet den Server neu.

Install-WindowsFeature -Name Hyper-V -IncludeManagementTools -Restart

Feature aktivieren (Windows 10/11 Pro)

Auf Client-Systemen wird Hyper-V als optionales Feature aktiviert (PowerShell als Administrator).

Enable-WindowsOptionalFeature -Online -FeatureName Microsoft-Hyper-V -All

Virtuelle Switches

Die drei Switch-Typen und wann man welchen einsetzt.

Extern

An eine physische Netzwerkkarte gebunden. VMs erreichen das physische Netzwerk (LAN/Internet) und, wenn gewünscht, auch den Host. Standard für produktive Server-VMs, die im Firmennetz erreichbar sein müssen.

Intern

Nicht an eine physische NIC gebunden. VMs kommunizieren untereinander und mit dem Host, aber nicht mit dem physischen Netz. Praktisch für isolierte Testumgebungen mit Zugriff vom Host.

Privat

Reines VM-zu-VM-Netz: VMs erreichen nur einander, weder Host noch physisches Netz. Ideal für abgeschottete Labore, in denen der Host bewusst außen vor bleiben soll.

Externen Switch anlegen

Bindet den Switch an die Netzwerkkarte „Ethernet" und lässt den Host die Karte weiter mitnutzen.

# Verfügbare Netzwerkkarten anzeigen Get-NetAdapter # Externen Switch erstellen New-VMSwitch -Name "extern" -NetAdapterName "Ethernet" -AllowManagementOS $true # Internen bzw. privaten Switch erstellen New-VMSwitch -Name "intern" -SwitchType Internal New-VMSwitch -Name "privat" -SwitchType Private

VM erstellen & verwalten

Der komplette Lebenszyklus einer VM per PowerShell.

Neue VM erstellen

Legt eine Generation-2-VM mit neuer dynamisch wachsender VHDX an und verbindet sie mit dem externen Switch.

New-VM -Name "VM01" -MemoryStartupBytes 4GB -Generation 2 ` -NewVHDPath "D:\VMs\VM01.vhdx" -NewVHDSizeBytes 80GB ` -SwitchName "extern"

VM konfigurieren

CPU-Kerne und dynamischen Arbeitsspeicher festlegen, Installations-ISO einbinden und Boot-Reihenfolge setzen (Gen 2).

# Prozessoren und dynamischer RAM Set-VM -Name "VM01" -ProcessorCount 4 -DynamicMemory ` -MemoryMinimumBytes 2GB -MemoryMaximumBytes 8GB # Installations-ISO ins DVD-Laufwerk legen Set-VMDvdDrive -VMName "VM01" -Path "C:\iso\server2022.iso" # Von DVD zuerst booten (Gen 2) $dvd = Get-VMDvdDrive -VMName "VM01" Set-VMFirmware -VMName "VM01" -FirstBootDevice $dvd

Starten, Status & Stoppen

# VM starten und Status aller VMs anzeigen Start-VM -Name "VM01" Get-VM # Sauber herunterfahren (benötigt Integration Services) Stop-VM -Name "VM01" # Hart ausschalten (nur im Notfall) Stop-VM -Name "VM01" -TurnOff

Checkpoints (Snapshots)

Ein Checkpoint friert den VM-Zustand ein, ideal vor Updates. Änderungen wandern danach in eine .avhdx-Differenzdatei.

# Checkpoint erstellen und auflisten Checkpoint-VM -Name "VM01" -SnapshotName "vor-update" Get-VMSnapshot -VMName "VM01" # Zu einem Checkpoint zurückkehren Restore-VMSnapshot -Name "vor-update" -VMName "VM01" -Confirm:$false # Checkpoint löschen (Differenzdatei wird zurückgeschrieben) Remove-VMSnapshot -VMName "VM01" -Name "vor-update"
💡
Standard- vs. Produktions-Checkpoint: Produktions-Checkpoints nutzen VSS im Gast und erzeugen einen anwendungskonsistenten Zustand (Standard seit Server 2016). Standard-Checkpoints sichern zusätzlich den Arbeitsspeicher-/Laufzeitzustand, sind dafür aber nicht anwendungskonsistent.

Generation 1 vs. Generation 2

Die Wahl wird bei der Erstellung getroffen und lässt sich nicht mehr ändern.

MerkmalGeneration 1Generation 2
FirmwareBIOS (Legacy)UEFI
Boot-DatenträgerIDE-ControllerSCSI-Controller
Secure BootNeinJa
Gast-Betriebssysteme32- und 64-Bit, auch ältere OSNur 64-Bit (ab Server 2012 / Windows 8)
PXE-NetzwerkstartNur über Legacy-NetzwerkkarteStandard-Netzwerkkarte
Boot von VHDX.vhd und .vhdxNur .vhdx
Max. Boot-Volume2 TB (MBR)> 2 TB (GPT)
EmpfehlungNur für alte / 32-Bit-GästeStandard für moderne 64-Bit-OS
⚠️
Die Generation lässt sich nach dem Anlegen nicht mehr umstellen. Bei einem Linux-Gast auf Generation 2 muss ggf. Secure Boot deaktiviert oder das Template „MicrosoftUEFICertificateAuthority" gewählt werden.

Best Practices

Empfehlungen aus dem Produktivbetrieb.

Dynamischer vs. fester Speicher

Arbeitsspeicher: Dynamischer RAM ist für die meisten Server sinnvoll und nutzt den Host besser aus. Für RAM- und latenzkritische Rollen (SQL Server, Exchange) empfiehlt der Hersteller festen Speicher, teils wird Dynamic Memory dort nicht unterstützt.

Festplatte (VHDX): Für Produktion eine feste (fixed) VHDX, volle Performance, keine Fragmentierung, kein Risiko durch volles Ziel-Volume. Dynamisch wachsende Datenträger sparen Platz und sind für Test-/Laborumgebungen ideal. Grundsätzlich VHDX statt VHD (bis 64 TB, robuster gegen Stromausfall).

Integration Services aktuell halten

Die Integrationsdienste liefern die paravirtualisierten Treiber und Funktionen wie sauberes Herunterfahren, Zeitsynchronisation und Heartbeat. Bei Windows-Gästen kommen sie heute über Windows Update; sie sollten stets aktuell und aktiviert sein.

Keine Checkpoints im Dauerbetrieb

Checkpoints sind kein Backup. Bleiben sie länger bestehen, wächst die .avhdx-Differenzdatei unkontrolliert, die I/O-Performance sinkt und das spätere Zusammenführen (Merge) wird riskant. Nutzung nur kurzfristig, etwa vor einem Update, und danach zeitnah wieder löschen. Für echte Sicherungen gehört eine dedizierte Lösung her, siehe Backup-Strategie.

Netzwerk trennen

In produktiven Umgebungen den Datenverkehr auf getrennte physische Karten legen: eine NIC für Host-Management, eine für Live-Migration und eine (oder ein Team) für den VM-Verkehr. Das verhindert, dass eine Live-Migration das Management-Netz sättigt.