← Zurück zum Wiki
Grundlagen Konten & Auth Netzwerk & Dienste Updates & Monitoring Checkliste

Grundlagen der Härtung

Warum härten, und die zwei Leitprinzipien, an denen sich jede Maßnahme messen lässt.

Was Härtung bedeutet

Ein frisch installierter Windows Server ist auf Kompatibilität und Komfort ausgelegt, nicht auf Sicherheit. Härtung („Hardening") heißt, alles Nicht-Benötigte abzuschalten und alles Verbleibende sicher zu konfigurieren. Ziel ist eine kleine, kontrollierbare Angriffsfläche.

Als anerkannter Maßstab dienen die CIS-Benchmarks (Center for Internet Security) sowie die Microsoft Security Baselines (Teil des Security Compliance Toolkit). Beide liefern konkrete, versionsspezifische Sollwerte, die sich per GPO ausrollen und mit Tools wie CIS-CAT oder PolicyAnalyzer prüfen lassen.

Angriffsfläche reduzieren

Jede installierte Rolle, jeder laufende Dienst und jeder offene Port ist ein potenzieller Einstiegspunkt. Die wirksamste Härtung ist das Weglassen:

  • Nur die Rollen/Features installieren, die der Server wirklich braucht (Server Core statt Desktop Experience, wo möglich).
  • Keine Rolle „zum Testen" dauerhaft aktiv lassen, DC, Datei-, Web- und Datenbankserver gehören getrennt.
  • Keine Browser-Nutzung, kein Mailclient, keine Office-Installation auf dem Server.

Prinzip Least Privilege

Konten und Dienste bekommen genau die Rechte, die sie für ihre Aufgabe brauchen, nicht mehr. Konkret:

  • Getrennte Konten: Ein Admin-Alltagskonto zum Anmelden, ein separates privilegiertes Konto (Tier-Modell) für administrative Aufgaben.
  • Domänen-Admins sparsam: Mitgliedschaft regelmäßig prüfen, Dienstkonten nie in Domain Admins.
  • gMSA (group Managed Service Accounts) statt statischer Dienstkonto-Passwörter verwenden.
💡
Reihenfolge: Härten Sie vor der Produktivnahme. Ein bereits laufender, gehärteter Server lässt Änderungen an Diensten und Firewall deutlich schwerer testen, und ein Fehler trifft dann echte Nutzer.

Konten & Authentifizierung

Das lokale Admin-Konto, Passwortrichtlinien und RDP, die häufigsten Einfallstore.

Lokales Administrator-Konto

Das bekannte Konto Administrator (RID 500) ist das erste Ziel jedes Angreifers. Es lässt sich nicht löschen, aber deaktivieren und umbenennen:

  • Umbenennen per GPO: Computerkonfiguration → Richtlinien → Windows-Einstellungen → Sicherheitseinstellungen → Lokale Richtlinien → Sicherheitsoptionen → „Konten: Administratorkonto umbenennen".
  • Deaktivieren, sobald ein alternatives, benanntes Admin-Konto existiert.
  • Das Gastkonto (Guest) muss deaktiviert sein.

Lokales Admin-Konto deaktivieren / prüfen

Status prüfen und das eingebaute Konto deaktivieren (PowerShell, lokal ausgeführt).

# Status des eingebauten Kontos anzeigen (RID 500) Get-LocalUser -Name "Administrator" | Select-Object Name, Enabled # Konto deaktivieren Disable-LocalUser -Name "Administrator"

LAPS, einzigartige lokale Passwörter

Wenn alle Server dasselbe lokale Admin-Passwort haben, kompromittiert ein einziger Fund das ganze Netz (Pass-the-Hash / laterale Bewegung). Windows LAPS (seit April 2023 in Windows Server 2019/2022 und Windows 11 integriert, per GPO/Intune steuerbar) vergibt pro Gerät ein zufälliges, rotierendes Passwort und legt es verschlüsselt in Active Directory oder Entra ID ab.

Das ältere „Legacy LAPS" (separates MSI) gilt als abgelöst, für neue Umgebungen Windows LAPS verwenden.

Passwortrichtlinie

Sinnvolle Mindestwerte (per Default Domain Policy bzw. Fine-Grained Password Policies):

EinstellungEmpfehlung
Mindestlänge≥ 14 Zeichen
Komplexität aktivJa
Max. Alter365 Tage bzw. ereignisbasiert (moderne Empfehlung: nicht erzwungen ablaufen lassen, dafür Kompromittierungs-Prüfung)
Passwortchronik≥ 24 gemerkte Passwörter
Kontosperrung10 Fehlversuche / 15 Min. Sperre

Wichtiger als erzwungener Wechsel: Sperren bekannter/geleakter Passwörter (z. B. Azure AD Password Protection) und generell MFA für privilegierte Zugänge.

RDP absichern, NLA erzwingen & prüfen

Network Level Authentication (NLA) verlangt die Authentifizierung vor dem Verbindungsaufbau und schützt so vor unauthentifizierten Angriffen auf den RDP-Stack.

# NLA-Status prüfen (1 = aktiv) (Get-ItemProperty "HKLM:\System\CurrentControlSet\Control\Terminal Server\WinStations\RDP-Tcp").UserAuthentication # NLA erzwingen Set-ItemProperty -Path "HKLM:\System\CurrentControlSet\Control\Terminal Server\WinStations\RDP-Tcp" -Name "UserAuthentication" -Value 1

RDP, weitere Maßnahmen

  • RDP nie direkt aus dem Internet erreichbar, nur über VPN oder RD Gateway.
  • Zugriff auf eine dedizierte Gruppe beschränken (nicht „jeder Domänenbenutzer").
  • Standard-Port-Wechsel bringt kaum Sicherheit (Security by Obscurity), die Firewall-Einschränkung ist entscheidend.
  • MFA vorschalten (z. B. RD Gateway mit NPS/Entra) für privilegierte Sitzungen.

Netzwerk & Dienste

Unnötiges abschalten, SMBv1 entfernen und die Firewall konsequent nutzen.

SMBv1 deaktivieren

SMBv1 ist unsicher (WannaCry/EternalBlue) und in modernen Windows-Versionen nicht mehr standardmäßig aktiv, auf Bestandssystemen aber oft noch vorhanden. Prüfen und komplett entfernen:

# Status prüfen Get-WindowsOptionalFeature -Online -FeatureName SMB1Protocol | Select FeatureName, State # SMBv1-Feature entfernen (Neustart nötig) Disable-WindowsOptionalFeature -Online -FeatureName SMB1Protocol -NoRestart # Zusaetzlich serverseitig abschalten Set-SmbServerConfiguration -EnableSMB1Protocol $false -Force

Unnötige Dienste & Features finden

Installierte Rollen/Features und laufende Autostart-Dienste sichten, um Kandidaten zum Abschalten zu identifizieren.

# Installierte Rollen/Features auflisten Get-WindowsFeature | Where-Object InstallState -eq "Installed" # Automatisch startende Dienste anzeigen Get-Service | Where-Object StartType -eq "Automatic" | Sort-Object Status

Typische Abschalt-Kandidaten

  • Print Spooler auf Servern ohne Druckdienst (PrintNightmare), deaktivieren.
  • LLMNR und NetBIOS über TCP/IP, anfällig für Spoofing/Relay, per GPO abschalten.
  • Nicht benötigte Web-/FTP-/Telnet-Dienste.
  • WDigest-Klartext-Credential-Caching (auf modernen Systemen bereits aus) prüfen.

Windows-Firewall

Die Host-Firewall bleibt aktiviert, auch im Domänennetz. Grundhaltung:

  • Alle drei Profile (Domäne/Privat/Öffentlich) aktiv, eingehend standardmäßig blockieren.
  • Nur explizit benötigte eingehende Regeln freigeben, möglichst auf Quell-Subnetze/-Hosts beschränkt.
  • Regeln zentral per GPO verteilen, nicht lokal pro Server pflegen.

Firewall-Grundzustand prüfen

# Firewall-Profile: aktiv und Standardaktion Get-NetFirewallProfile | Select-Object Name, Enabled, DefaultInboundAction

Updates & Monitoring

Patch-Management, Audit-Policy und Sysmon, Härtung ohne Überwachung ist blind.

Patch-Management

Ungepatchte Systeme sind die häufigste Ursache erfolgreicher Angriffe. Ein geregelter Prozess ist Pflicht:

  • WSUS oder Azure Update Manager / Intune für zentrale Freigabe und Reporting.
  • Definierte Patch-Fenster, Test-Ring vor Produktion.
  • Kritische Sicherheitsupdates (out-of-band) zeitnah, nicht erst zum nächsten Zyklus.
  • Firmware, Treiber und Drittsoftware (Browser, Java, Adobe) nicht vergessen.

Details zur WSUS-Einrichtung siehe WSUS-Referenz.

Audit-Policy (Überwachung)

Ohne Protokollierung bleibt ein Einbruch unentdeckt. Die erweiterte Überwachungsrichtlinie (Advanced Audit Policy per GPO) sollte mindestens erfassen:

  • An-/Abmeldungen und fehlgeschlagene Anmeldungen (Logon/Logoff).
  • Kontenverwaltung (Anlegen/Ändern von Konten und Gruppen).
  • Privilegiennutzung und Rechteänderungen.
  • Prozesserstellung (Event 4688) inkl. Kommandozeile.
  • Zugriffe auf sensible Dateifreigaben (Object Access, gezielt via SACL).

Logs zentral sammeln (SIEM / Windows Event Forwarding), lokale Logs werden bei einem Angriff gern gelöscht.

Aktuelle Audit-Einstellungen prüfen

# Alle Unterkategorien der Audit-Policy anzeigen auditpol /get /category:*

Sysmon, Sichtbarkeit erhöhen

Sysmon (Sysinternals, kostenlos) ergänzt das Windows-Log um detaillierte Telemetrie: Prozessstarts mit Hash und Elternprozess, Netzwerkverbindungen, Änderungen an Autostart-Einträgen und mehr. Es ist kein Schutz, aber die Grundlage für Erkennung und Forensik.

Praxis: Mit einer erprobten Konfiguration starten (z. B. die verbreitete SwiftOnSecurity-Config als Ausgangsbasis) und die Events per WEF/SIEM zentral auswerten. Installation: sysmon64 -accepteula -i config.xml.

⚠️
Merke: Härtung ist kein einmaliges Projekt. Baselines, Patches und Logs müssen laufend gepflegt und überprüft werden, idealerweise mit regelmäßigem Abgleich gegen die aktuelle CIS-Benchmark-Version des Betriebssystems.

Härtungs-Checkliste

Zum Abhaken bei jeder Server-Inbetriebnahme, und turnusmäßig zur Kontrolle.

Konten & Authentifizierung

  • Eingebautes Administrator-Konto umbenannt und/oder deaktiviert
  • Gastkonto deaktiviert
  • LAPS für lokale Admin-Passwörter aktiv
  • Passwortrichtlinie (≥ 14 Zeichen, Sperre) durchgesetzt
  • Getrennte Admin-Konten / Tier-Modell, gMSA für Dienste
  • MFA für privilegierte und Remote-Zugänge

Netzwerk & Dienste

  • SMBv1 entfernt / deaktiviert
  • LLMNR und NetBIOS-over-TCP/IP abgeschaltet
  • Print Spooler auf Nicht-Druckservern deaktiviert
  • Nur benötigte Rollen/Features installiert
  • Windows-Firewall in allen Profilen aktiv, eingehend Default-Deny
  • RDP mit NLA, nicht aus dem Internet erreichbar

Updates, Monitoring & Verschlüsselung

  • Zentrales Patch-Management (WSUS/Intune) eingerichtet
  • Advanced Audit Policy per GPO gesetzt
  • Logs zentral gesammelt (WEF/SIEM)
  • Sysmon ausgerollt und ausgewertet
  • BitLocker auf System-/Datenlaufwerken aktiv
  • Baseline gegen aktuelle CIS-/Microsoft-Vorgaben geprüft
🔒
Tipp: Setzen Sie Baselines per GPO um, die passenden Bausteine finden Sie im GPO-Spickzettel, die Laufwerksverschlüsselung im Leitfaden BitLocker per GPO.